04. Juni 2009

Die Scheune wird zum Konzertsaal

SCHWANAU-ALLMANNSWEIER. "Sie müssen sich an dem helleren Ton orientieren", sagt Ursula Mayer. Ein Mitarbeiter der Oberweierer Orgelbaufirma Vier ist eben mit zwei Holzmustern bei der Bauherrin erschienen. In der Tenne des Mayerhofes in der Krummestraße 12 laufen die letzten Vorbereitungen für das krönende Finale eines spektakulären und ungewöhnlichen Projekts. Am Sonntag, 7. Juni, um 12 Uhr soll die ehemals abbruchreife Scheune zu den Klängen von Organist Martin Groß und der jungen Sopranistin Helena Steiner Premiere als Konzertsaal feiern.

Martin Groß und Ursula Mayer an der Orgel in der Tenne des Mayerhofs, die am Sonntag Premiere als Konzertsaal feiert. | Foto: Wolfgang künstle
Wer sich die frühere Scheune ansieht, der erkennt, dass bei der Renovierung keine Kosten und Mühen gescheut worden sind. So edel der Raum heute wirkt, ist doch der Charme des Jahrhunderte alten Ökonomiegebäudes erhalten geblieben. Aufwendige Details wie der geflieste Fußboden, kunstvoll hergerichtete Holzgeländer oder das akribisch aufgearbeitete Fachwerk, zum Teil mit eingelassenen Fenstern, geben dem Gebäude ein exklusives Flair. Die Orgel, unauffällig installiert an einer Giebelseite, wirkt diskret und leicht.

Angefangen hat die Geschichte mit Ursula Mayers Liebe zu einer einsturzgefährdeten Scheune und der ihres Mannes zur Musik. Ursula Mayer, in Bietigheim lebend, hat das Anwesen ihrer Großeltern 1975 geerbt. Ihr Ehemann, Theodor Mayer, erfolgreicher Unternehmer und leidenschaftlicher Pianist und Organist in Stuttgart, hatte beabsichtigt, seinen Ruhestand auf dem Allmannsweierer Anwesen zu verbringen. Bevor es jedoch dazu kommen konnte, starb er 2000 im Alter von 65 Jahren.

Einen Lebenstraum hatte er sich bis dahin jedoch erfüllt: Eine eigene Orgel, eingebaut in die mittlerweile sanierte Scheune hinter dem Wohnhaus, der er sich bei den Besuchen in den Ferien und an Wochenenden mit großer Hingabe widmete.
"Die Scheune war in einem katastrophalen Zustand", erinnert sich Ursula Mayer heute. "An der Tür hing ein Schild ,Betreten verboten’, es bestand Einsturzgefahr." Das Abreißen wäre weitaus günstiger gewesen, doch dies kam für die studierte Innenarchitektin nicht in Frage. Von 1975 bis 1979 wurde das Wohnhaus renoviert. "Es gab bis dahin auf dem ganzen Anwesen kein fließendes Wasser." Anschließend, Anfang der 80er, habe man sich der Scheune gewidmet. Außer dem Holzgerüst des Fachwerks stand nicht mehr viel. "Zunächst haben wir das Gebäude für private Feiern hergerichtet", so Ursula Mayer. Statt wackeliger Leitern führte nun eine komfortable Treppe auf den früheren Heuboden. An den Seiten wurden Stege gebaut, so dass eine rundum laufende Galerie entstand. 1985 wurde dann die Orgel von der Firma Vier eingebaut. Dies ist die eine Seite der Geschichte.

Die andere ist die, dass Ursula Mayer im Rahmen einer gemeinnützigen Stiftung, die sie zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes gegründet hat und die den Namen der beiden trägt, junge und hochbegabte Menschen unterstützt. Darüber hinaus engagiert sie sich bei der 1977 in Großbritannien gegründeten Organisation "Live Music Now", die sich ebenfalls stark dem sozialen Aspekt der Musik widmet.

Und so war zusammen, was zusammengehörte. "Uns fehlte anfangs ein bisschen der Mut, es anzugehen", sagt Ursula Mayer heute. Doch neun Jahre nach dem Tod ihres Mannes fiel die Entscheidung, die "Tenne im Mayerhof" im Rahmen eines Orgelkonzertes "in Memoriam" der Bevölkerung zu präsentieren. Das Allmannsweierer Pfarrerehepaar Malter vermittelte den Kontakt zu Martin Groß, Organist in der Dorfkirche, Chorleiter und engagiert im Projekt "Musik hilft Menschen in Not". "Wir haben uns sofort super verstanden", erinnert sich Groß an das erste Treffen mit Ursula Mayer.

Von dem Instrument ist er mehr als angetan. Optimal in der Größe und mit edlem Klang sei die Orgel auch für anspruchsvolle Werke geeignet. Die 14 Register und mehr als 500 Pfeifen hätten die unbespielten Jahre hervorragend überstanden, und nach einer Überholung sei das Instrument in Top-Zustand. Helena Steiner, 18-jährige Jungsopranistin, wird Groß begleiten – eine Form der Nachwuchsförderung ganz im Sinne der Stiftung.

Pläne über den 7. Juni hinaus gibt es für die Tenne noch nicht. "Es ist wirklich alles möglich", sagt Ursula Mayer, die ihr Kleinod als exklusive Location betrachtet. Tageweise Vermietungen für Hochzeiten, Seminare, Workshops, sogar kleinere Theaterstücke kann sich die Eigentümerin vorstellen. Im Nebenraum wartet ein Billardtisch auf seinen Einsatz – sei es als Spielgerät oder als Unterbau für ein leckeres Buffet.

Das Benefizkonzert am 7. Juni wird um 12 Uhr beginnen. Der Mayerhof befindet sich in der Krumme Straße 12. Martin Groß wird an der Orgel von Theodor Mayer gemeinsam mit der Sopranistin Helena Steiner unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach, Johann Ludwig Krebs, Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Friedrich Händel, Felix Mendelssohn Bartholdy vortragen.

Der Eintritt für die etwa hundert Gäste, die in der Tenne Platz finden können, ist frei, jedoch erhofft man sich eine großzügige Spende, die der Jugendarbeit der örtlichen Kirchengemeinde zugute kommen soll.  

Autor: Wolfgang Künstle


 

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