11. Juni 2009 12:40 Uhr

Konzert in Schwanau

Orgelklänge einer Allmannsweierer Scheune

Eine Orgel in einer Scheune – das ist recht ungewöhnlich. Ein Konzert am vergangenen Sonntag belegte, dass es sich um ein klangschönes und auch recht kraftvolles Instrument handelt. Eingebaut wurde es im Laufe der 1980er Jahre.

Die Orgelmusik wollten mehr Besucher hören als Platz zur Verfügung stand – sie mussten sich ein Plätzchen auf der Treppe suchen. | Foto: Heidi Foessel
SCHWANAU-ALLMANNSWEIER. Die Innenarchitektin Ursula Mayer hatte den Mayerhof in Allmannsweier nebst Scheune von den Großeltern geerbt. Gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Gatten Theodor Mayer, einem Fabrikanten, wurde das Anwesen mit viel Liebe und einigem finanziellen Einsatz renoviert. Theodor Mayer, ein leidenschaftlicher Pianist und Organist, ließ sich die Orgel in die Dachschräge einpassen. Einige der Metallpfeifen sind nach vorne geknickt, etliche der Holzpfeifen gedeckelt, wodurch sie eine Oktave tiefer klingen. "Diese Pfeifen hätten sonst aus dem Dach herausragen müssen", erläutert Martin Groß. Groß, sonst Hausorganist an der Blasius-Schaxel-Orgel in der evangelischen Kirche Allmannsweier, bediente die Orgel in der Tenne im Mayerhof, wie der Veranstaltungsraum offiziell heißt. Er fasst rund einhundert Besucher. Es waren aber weit mehr Gäste gekommen. Sie nahmen auf Bänken im Garten platz oder suchten sich Stehplätze.

Als Präludium und "Einmarsch" bot Groß ein fanfarenhaftes Stück des britischen Barockkomponisten John Stanley, einem der großen Organisten seiner Zeit, bei dem vor allem die Trompeten-Register zu Einsatz kamen, mit einigem Pomp und Pathos, mit Schnarren und mit Basskraft. Das Werk hat jedoch auch zartere Passagen. Sie zeigten die Orgel feingliedrig, silbrig, sehr transparent.

Eine Bach-Fantasie, c-moll, Bach-Werkeverzeichnis 573, machte dann das volle Klangspektrum des Instruments hörbar, mit einem aufsteigendem Motiv zu Beginn, dem in barocker Manier eine Echo-Stimme nachstrebt, unterlegt von einem dezent schreitenden Generalbass. Das klingt ein wenig nach Vivaldi, mit dem Bach sich gerne beschäftigte. Der kurzen Einleitung folgt eine Fuge, die von der klanglichen Klarheit der Orgel profitiert.

Zum Abschluss bot Groß eine selbst komponierte Suite nach Themen aus Bachs "Kaffee-Kantate", und er packt das in eine humorig illustrierte Szene: Hier die Teenager-Tochter, die gerne das Modegetränk Kaffee genießen, im Fischbeinrock in der Stadt flanieren und die neuesten Opernmusiken hören will, dort der schwer schaffende Vater, Hausherr und Kantor, der den modischen Sehnsüchten der Tochter wehren will. Groß überträgt zunächst das quirlige Plappern des Teenies auf die Orgel, dem er dann das martialisch-gewichtige, der Kantate entnommene "Schweig Stille" des Vaters entgegensetzt. Schließlich führt er beides zu einer spritzigen "Pa pa pa pa"-Plapperszene in der Manier der Mozart-Singspiele zusammen.

Bei einigen Werken wurde Groß von der 18-jährigen Sopranistin Helena Steiner aus Mahlberg unterstützt. Die Clara-Schumann-Gymnasiastin sang die Händel-Arie "Süße Stille" mit ihren sanft sich schwingenden Koloraturen, dazu zwei Mozart-Lieder, wobei das zum Volkslied gewordenen "Komm lieber Mai und mache" besonders beklatscht wurde. Sehr schön auch "Die Nachtigall", von Alban Berg im romantischen Stil komponiert, schwellend, schwelgend, hoch emphatisch, dabei drängend in der Naturschwärmerei. Die junge Dame ist sehr talentiert und hinterließ einen guten Eindruck. Wie Groß im Rahmen seiner Moderation erläuterte, hat das Instrument in der Mayerhof-Tenne ein ganz spezielle Stimmung, die so genannten "Kirnberger III"-Stimmung. Der Komponist und Musiktheoretiker Johann Philipp Kirnberger lebte im 18. Jahrhundert, er hat diverse Stimmungs-Varianten für Tasteninstrumente entworfen. Da er auch Notensammler war, verdankt ihm die Welt den Erhalt etlicher Bach-Kompositionen.

Mehr Informationen finden Sie unter www.tenne-im-mayerhof.de  

Autor: Robert Ullmann